Impressum

Das Vokalensemble Sinsheim dankt für die besondere Unterstützung seiner kulturellen Arbeit:

Fischer Werkzeugbau, Hütter marktplatzcenter, Sparkasse Kraichgau, Stadt Sinsheim, Volksbang Kraichgau

Unser Dank gilt auch unseren Werbepartnern, die uns auch im Jahr 2025 begleiten:

Bauunternehmung Bauer, Ristorante Bella Marmaris, Buchhandlung Doll, ida+paul Kidsconcept-Store, Garten- und Landschaftsbau Löbel, Metzgerei Bräunling, Orthopädie-Schuhtechnik Haas, Rechtsanwälte Schießl/Hirzel, Sanitär/Blechnerei Macco.

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Besuchen Sie uns auch auf unserer homepage: www.vokalensemble-sinsheim.de

Sekretariat: Claudia Löbel - Tel. 07261/65076 und 0160/91146906 – Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Impressum:
Redaktion: Erwin Schaffer/Layout: Ellen Müller/Titelseite: Joachim Heitel

Druck: Druckerei Maulbetsch GmbH - 74889 Zuzenhausen - Telefon 06226 8393

Für unsere kulturelle Arbeit, die wir auch im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhalts verstehen, sind wir auf Spenden angewiesen. Wenn auch Sie uns unterstützen möchten, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Ihre Spenden sind steuerlich absetzbar.
Bankverbindungen: Vokalensemble Sinsheim

Sparkasse Kraichgau
IBAN: DE81 6635 0036 0021 0503 73
BIC: BRUSDE66XXX

Volksbank Kraichgau
IBAN: DE64 6729 2200 0000 3453 00
BIC: GENODE61WIE

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Grußwort des Oberbürgermeisters der Großen Kreisstadt Sinsheim


Liebe Freundinnen und Freunde der Musik,

mit der Aufführung von Karl Jenkins‘ Requiem widmet sich das Vokalensemble Sinsheim einem besonders anspruchsvollen Werk, das in besonderer Weise berührt, bewegt und verbindet.

Karl Jenkins hat mit seinem Requiem eine eindrucksvolle Klangsprache geschaffen, die traditionelle lateinische Messetexte mit fernöstlicher Haiku-Dichtung vereint. Dass sich das Vokalensemble Sinsheim diesem besonderen Werk widmet, zeugt von großem künstlerischem Engagement und musikalischer Qualität.

Die Konzerte in Sinsheim und Meckesheim leiten einen besonderen Moment des Übergangs ein: 1987 gegründet stand das Vokalensemble Sinsheim seither unter der musikalischen Leitung von Erwin Schaffer. Mehr als 250 Konzerte des Vokalensembles hat es in den vergangenen Jahrzehnten auch über die Grenzen Sinsheims hinaus gegeben – ein beeindruckendes Zeugnis der Güteklasse des Vereins und der leidenschaftlichen Hingabe seiner Mitglieder unter der Leitung von Erwin Schaffer. Für diesen unermüdlichen Einsatz, die inspirierende Arbeit und die Verdienste um die Chormusik in unserer Stadt gebühren ihm und dem gesamten Verein unser aufrichtiger Dank und die höchste Anerkennung. Ich freue mich Ihnen gemeinsam auf die neue Ära unter der Leitung von Carmen Schrötel.

Mein herzlicher Dank gilt allen Mitwirkenden, die dieses besondere Konzerterlebnis, zu dem sie das Programmheft nun in Händen halten dürfen, ermöglichen.

Ich wünsche Ihnen allen einen eindrucksvollen Konzertabend, der Sie bewegen, inspirieren und in Ihnen lange nachklingen möge.

Herzlichst

Marco Siesing

Oberbürgermeister

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Requiem oder: Wer wollen wir gewesen sein?

„Die Zukunft war früher auch besser“ Karl Valentin

„Time is on my side“ The Rolling Stones

„Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in 10 Jahren zurücksehnen“ Peter Ustinov

Nein, kein Rückblick. Es geht um die Gegenwart. Oder doch um die Zukunft?

Auf alle Fälle geht es darum, über unsere Werte und Handlungen nachzudenken und darüber, welches Vermächtnis wir hinterlassen möchten.
Nach welchen Zielen, nach welchen Überzeugungen richten wir unser Tun aus? Wie gestalten wir unsere Welt? Wie also wollen wir in Erinnerung bleiben?

Unweigerlich kommt hier ins Spiel, wie wir unseren Platz in der Gesellschaft gefunden haben und vor allen Dingen welchen.

Die Werte der Gesellschaft, in die wir hineingeboren wurden, hatten ihre Geburtsstunde vor fast 80 Jahren mit der Verabschiedung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland mit dem Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Sie wird als unveränderliches Grundrecht des Menschen angesehen. Der Satz bildet das Fundament für ein respektvolles und gerechtes Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Er erinnert uns daran, dass jeder Mensch unabhängig von Herkunft, Alter oder Überzeugung Anspruch auf Achtung und Wertschätzung hat. Es versteht sich von selbst, dass nur eine Regierungsform wie die einer liberalen Demokratie mit freien Wahlen, Gewaltentrennung, Rechtsstaatlichkeit und Wahrung von Menschen- und Bürgerrechten dem gerecht werden kann.

Das funktioniert allerdings nur, wenn man es so versteht, dass jeder, von seinem Platz aus, dafür eine Verantwortung trägt, dass diese Werte beachtet und geachtet werden und jeder sich fragt, welchen Beitrag dafür zu leisten für ihn möglich ist.
Diesen Beitrag zu leisten bemüht sich das Vokalensemble Sinsheim seit der Chorgründung vor 40 Jahren, eine Spanne, die immerhin die Hälfte des angesprochenen Zeitraums ausmacht.

Was sind nun genau die Aspekte unseres Tuns?

Zwei wesentliche Dinge des Singens, insbesondere des Chorsingens, sind hinlänglich bekannt. Ein Drittes, weniger beachtetes, möchte ich hinzufügen.

Zum einen fördert Singen die körperliche Gesundheit, da der gesamte Körper eingesetzt wird: Bewusstes Atmen, eine aufrechte Körperhaltung und gezielte Bewegungen stärken Atmung, Kreislauf und Muskulatur. Das allgemeine Wohlbefinden wird gesteigert, Stress baut sich ab. Es handelt sich quasi um ein ganzheitliches Training. Musikalische Aktivität verbindet sich mit körperlicher Gesundheit.

Zum Zweiten erweitert Singen im Chor durch die Erlangung und Erfahrung musikalischer Fähigkeiten das Verständnis für musikalische und generell künstlerische Sachverhalte. Wenn man so will, findet hier eine ästhetische Bildung statt. Eine Entfaltung von, wie ich meine, bereits angelegten Fähigkeiten, die nur noch geweckt und trainiert werden müssen.

Und drittens trägt das Singen im Chor, genauer die Chor- und Vereinsarbeit, auch wesentlich zum demokratischen Verständnis bei. In einem Chor müssen die Mitglieder zusammenarbeiten, aufeinander hören und gemeinsame Entscheidungen treffen, beispielsweise bei der Auswahl von Stücken oder der Gestaltung von Proben. Dass dem Leiter oder der Leiterin eines Ensembles aufgrund einer musikalischen Qualifikation eine maßgebliche Rolle zukommt, widerspricht dem nicht. Denn die Zeiten diktatorischer Bestimmungen sind auch in diesem Metier vorbei. Professionalität beweist sich erst im respektvollen Umgang mit allen Beteiligten und dem ganzen Projekt.

 Gegenseitiger Respekt, Rücksichtnahme und die Fähigkeit, Kompromisse einzugehen, stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl mit gleichzeitiger Akzeptanz von Andersartigkeit. Es wird ein Bewusstsein für die Bedeutung von Gemeinschaft und Mitbestimmung geschaffen. So wird im Chor nicht nur gesungen, sondern auch demokratisches Handeln praktisch erlebt und eingeübt.


(links: Hal Busse, d.m.M.f. 1983 / rechts: Erinnerung an J.F. Kennedy, 1983 // © Städtische Museen Heilbronn)

Nun ist es nur ein kleiner Schritt, um die übergeordneten Zusammenhänge mit zweierlei Bedeutungsebenen zu begreifen.

Zum einen sind es natürlich die Konzerte selbst und an und für sich, die die Dimension des oben geschilderten demokratischen Prozesses sichtbar und natürlich hörbar machen.

Zum anderen aber spielt a) die Auswahl der Programmthemen und b) die jeweilige Interpretation von „traditionellen“ Kompositionen eine eminent wichtige Rolle.

Das kann bei a) zum Beispiel durch übergeordnete Themen geschehen. Die Ohrenzeuge-Reihe des Vokalensembles verdeutlichte dies, unter anderem durch „Gewinner und Verlierer“ (2017) mit dem ehemaligen deutschen Meister im Box-Schwergewicht Charlie Graf oder „Das Sinsheim Protokoll“ (2024), einem Projekt mit der Klima Arena Sinsheim. Fragen, wie die klimapolitische Zukunft gestaltet werden kann, beim einen und Überlegungen, wie ein lebenswürdiges Menschenbild aussieht, beim anderen, wurden nicht nur durch außermusikalische Beiträge verhandelt, sondern auch durch die Auswahl der verschiedenen Musiktitel vertieft und zur Diskussion gestellt.
Desgleichen beim Galakonzert zum Tag der Deutschen Einheit von 2021. Auch Projekte, die sich mit der Musik anderer Länder und Völker beschäftigen, zeigen die Bedeutung multikultureller Verknüpfungen heutiger Zeit, zum Beispiel „Jambo Africa“ (2003).

b) Bei der Frage der Interpretation spielt natürlich die Kunst der Inszenierung eine Rolle. Oft ist es erforderlich, sich hier Hilfe bei Kapazitäten anderer Fachgebiete zu holen. Das war schon 1990 und 1991 bei den „Rock-Symphonies I“ und dem Mozart-Requiem mit Hans Münch der Fall. Oder bei der Oper „Orfeo ed Euridice“ (1992) von Christoph Willibald Gluck mit Bühnenbildern von Bernhard Reißfelder.
Viele innovativ gestaltete Projekte folgten, von „Bilder einer Ausstellung“ 1992 (Neubearbeitung Hans Cartsen Raecke), Carl Maria von Weber „Der Freischütz“ 1996 (Inszenierung Heiner Schnitzler), „König David“ 1998 (Arthur Honegger), Mendelssohn „Die erste Walpurgisnacht“ 2004 (Inszenierung Annerose Hassert), „The Armed Man“ 2010 (Karl Jenkins) bis zu Bachs Weihnachtsoratorium (2022) in der Inszenierung von Uschi Barth mit klar formulierter Gesellschaftskritik und dem Aufzeigen eines moralischen Kompasses für ein menschenwürdiges Zusammenleben.

Nicht zu vergessen sind unsere Aufführungen, unter anderem Uraufführungen, der Neuen Musik;
so zum Beispiel im Jahr 2020 „Sinshome oder: Die größte Kraft“ von Christoph Ogiermann beim eclat-Festival im Theaterhaus Stuttgart.

Wie gezeigt, wird die Bühne so zu einem Ort, an dem Musikerinnen und Musiker, Sängerinnen und Sänger mit ihrem Engagement einen substanziellen Beitrag zum demokratischen Handeln leisten und das gesellschaftliche Bewusstsein dahingehend fördern.
Die Bühne ist nicht nur Ausdruck künstlerischer Kreativität, sondern bildet auch einen Spiegel gesellschaftlicher Werte und Haltungen.

So handelt es sich um einen überaus großen Beitrag zur Stärkung der Demokratie, eine Demokratie, die enorm und in unverschämter Weise von extremistischen Parteien angegriffen wird. Sie vertreten autoritäre Ideologien, stellen sämtliche Errungenschaften unserer Demokratie infrage, diskreditieren ihre Werte und wollen damit unsere Lebensformen in überholte und reaktionäre Zeiten zurückführen.
Kulturelle Vielfalt und kulturelle Ausdrucksformen, unter anderem durch die Kürzung oder den Wegfall von Fördermitteln, sei es in Theatern, Museen und auch in unseren Vereinen (!), wären nicht mehr möglich. Intoleranz, Ausgrenzung und Spaltung der Gesellschaft wären die Folge.

Die Kultur zu schützen und zu fördern heißt, die Demokratie zu schützen und zu fördern.

Bei der Eingangsfrage „Wer wollen wir gewesen sein?“ geht es also doch um unsere Zukunft.

Aber es ist nicht die Frage in Richtung „Hat die Demokratie, hat unsere Kultur eine Zukunft?“ Und schon gar nicht: Können wir Zukunft als Konsumgut betrachten, „das die Politik irgendwie
liefern kann oder soll“ (Felix Heidenreich, S. 137 ff.).
Vielmehr lautet die Gedankenfigur, welche Zukunftsversprechen wir uns selbst machen wollen. Wo liegen unsere Visionen, welche konkreten Bilder erschaffen wir uns, für die es sich lohnt, unsere Kräfte einzusetzen? Sind wir fähig und bereit, in diesem Falle als Kulturschaffende, explicit Szenarien zu entwickeln, die an eine Zukunft denken lassen, die uns lebens- und erstrebenswert erscheint?
Denn gerade ein Mangel an Zuversicht und Perspektive beim gleichzeitigen Tag-für-Tag-Abhören der frustrierenden Nachrichtenkatastrophen gefährdet die Demokratie. „Klagen statt handeln und jede Katastrophe als Beweis für die Richtigkeit des eigenen Pessimismus anführen, damit lässt sich nichts erreichen“ (Dirk Steffens, S. 56 ff.). Darüber hinaus begünstigt Pessimismus den Populismus, schürt Ängste und propagiert einfache, autoritäre Lösungen.

Unsere Arbeit im Vokalensemble Sinsheim war und ist dagegen immer von Optimismus geprägt. Das zeigt die Arbeit des Vereinsvorstandes, das beweisen die Konzertprogramme und deren Inhalte, das bekunden und dokumentieren die Sängerinnen und Sänger mit ihrem Engagement Woche für Woche, Konzert für Konzert.
Es ist nicht der selbstzufriedene Optimismus (Paul Romer), nicht der, der nur hofft und nicht handelt. Es ist der, der darüber nachdenkt, welcher Beitrag im Rahmen der kulturellen Arbeit nötig und möglich ist, um unsere Gesellschaft im Sinne des Erhalts der Werte eines menschenwürdigen Zusammenlebens zu stärken.

Erwin Schaffer

Literatur:

Carolin Emcke: Nutzloses Glück / Es ist peinlich (in: Respekt ist zumutbar, S. Fischer, 2025)
Felix Heidenreich: Wie Hoffnung politisch wird (Reclam, 2023)
Navid Kermani: Wenn sich unsere Herzen gleich öffnen (C.H. Beck, 2025)
Igor Levit: Hauskonzert, Seite 58-64, 144-157, u. a.  (Carl Hanser, 2021)
Ulf Poschardt: Die Popkultur (in: Shitbürgertum, Westend, 2025)
Paul Romer: https://paulromer.net/conditional-optimism-technology-and-climate/
Hartmut Rosa: Die vier Stimmen der Demokratie (in: Resonanzen, Suhrkamp, 2016)
Dirk Steffens: Hoffnungslos optimistisch (Penguin Verlag, 2025)

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Haiku (japanisch 俳句; Plural: Haiku, auch: Haikus ist eine traditionelle japanische Gedichtform, die weltweit verbreitet ist. Das (oder der) Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt.

Die japanische Sprache ist für ihre Moren bekannt. So werden nicht Silben als Bausteine gesehen wie im deutschen, sondern Moren, die insbesondere das zahlenmäßige Verhältnis von langen und kurzen Vokalen und Lauteneinheiten abbilden. So besteht das Haiku zwar aus Wortgruppen von 5, 7 und 5 Moren, aber nicht zwingend aus 5, 7 und 5 Silben.
17 japanische Lauteinheiten entsprechen etwa dem Informationsgehalt von 10 bis 14 deutschen Silben. Somit schreiben viele Autoren im Deutschen mittlerweile im sogenannten freien Stil, unter anderem weil Silben in der deutschen Sprache viel freier gebildet werden können als Moren im Japanischen und daher nicht zwangsläufig einen Rhythmus ergeben müssen.

Als Wesensmerkmal gelten die nicht abgeschlossenen, offenen Texte, die sich erst im Erleben des Lesers vervollständigen. Im Text wird nicht alles gesagt, Gefühle werden nur selten benannt. Sie sollen sich erst durch die aufgeführten konkreten Dinge und im gegenwärtigen Zusammenhang erschließen.

„Die japanische Dichtung hat als Samen das menschliche Herz, und ihr entsprießen unzählige Blätter von Wörtern. Viele Dinge ergreifen die Menschen in diesem Leben: sie versuchen dann, ihre Gefühle durch Bilder auszudrücken, die sie dem entnehmen, was sie sehen und hören.“
(aus: Sammlung Japanischer Poesie des 9. Jahrhunderts)

Heute gilt Matsuo Bashō (1644–1694) als der erste große Haiku-Dichter. Sein Frosch-Haiku ist wohl das meistzitierte Haiku der Welt.

 

古池や      
蛙飛び込む
水の音

furu ike ya
kawazu tobikomu
mizu no oto

Der alte Weiher:
Ein Frosch springt hinein.
Oh! Das Geräusch des Wassers.

 

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Programm/Mitwirkende

Karl Jenkins (1944*)

Requiem (2005)

Gabriele Meuret, Flöten
Carmen Schrötel, Sopran
Viola Schuch, Sopran

Werner Freiberger, Keyboards
Schlagzeugensemble Ulrich Dürr

Concerto Camerata

Vokalensemble Sinsheim

Chordesign: Annerose Hassert

Audio: Conner Nelson
PPP/Einspielung: Erwin Schaffer/Verena Schuch

Licht: Joachim Heitel

Leitung: Erwin Schaffer

Korrepetition: Thomas Glasbrenner
Chorassistenz: Carmen Schrötel, Viola Schuch

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Jenkins‘ Requiem ist eine überaus filigrane und berührende Messe für die Seelen der Toten und zeigt seine Eigenschaft, aus verschiedenen Kulturkreisen zu schöpfen und sie miteinander zu vereinen. Hier ersetzt er einige Elemente des üblichen lateinischen Textes durch japanische Haiku-Gesänge, bzw. er kombiniert die westlichen und östlichen Texte. In Having seen the Moon und Farewell sind dies das Benedictus und das Agnus Dei. Beide werden von männlichen Stimmen in einem klösterlichen Stil intoniert, als Gegengewicht zum japanischen Text, der von Frauen gesungen wird.

Das Requiem weist insgesamt 13 Sätze auf, in der japanischen Kultur eine göttliche Zahl, der besonderer Segen zuteilwird.

In seiner kompositorischen Arbeit verzichtet Jenkins auf eine motivisch thematische Arbeit. Vielmehr greift er auf ältere Kompositionstechniken zurück wie die der Antiphon. Dabei geht es unter anderem um die Wiederkehr eines Refrains zu nennenden Teils, der Verse eines Psalms einrahmt. (Z.B. in Dies Irae, Rex Tremendae).

Sein Requiem enthält auch die, wie schon von Gabriel Fauré und Maurice Duruflé in ihre Requiems eingefügten Sätze Pie Jesu und In Paradisum.

Gewidmet hat Jenkins das Werk seinem verstorbenen Vater, „einem Musiker und einer Inspiration“, wie er selbst sagte.

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Karl Jenkins startete seine professionelle Musikerkarriere als Erster Oboist im National Orchestra of Wales. Er studierte an der Cardiff University und an der Royal Academy of Music, wo er in Musik promovierte. 
In den 70er Jahren wurde er als KeyboarderOboistSaxophonist und Komponist zunächst durch seine Mitgliedschaft in den Gruppen Nucleus und Soft Machine bekannt.
Sein Musikstil als Komponist war anfangs stark vom Jazzrock geprägt mit durchgehend ostinaten Bass-Riffs, über die Bläser oder auch Keyboards langgezogene Melodielinien von sphärischem Charakter ausbreiten. Ebenfalls bezeichnend für Jenkins sind balladenhafte Themen mit überraschend harmonischen Wendungen.

Mit dem Ensemble Adiemus führte Jenkins mit breit und konzertant angelegten Chor-Arrangements seine musikalischen Erfahrungen zusammen, die von Pop über Symphonik und geistliche Chormusik bis hin zu ethnischer Musik reichten. Er erfand dafür eine bedeutungslose Sprache, die, speziell für Gesang geeignet, nicht mit Inhalten von der Stimmung ablenken sollte.

Als Produzent bestimmte Jenkins‘ Klangsprache maßgeblich das Album Music of he Spheres von  Mike Oldfield, das 2008 erschien. Sein wohl bekanntestes Werk ist The Armed Man: A Mass for Peace. (Vom Sinsheimer Vokalensemble 2010 aufgeführt und mit der Badischen Chorprämie ausgezeichnet.)

2010 wurde Jenkins zum Commander des Order of the British Empire (CBE) ernannt, 2015 zum Knight Bachelor erhoben. 2024 wurde ihm der Preis der Europäischen Kirchenmusik zugesprochen.

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Begegnung von Jenseits und Diesseits

In der Vorstellung, dass sich Jenseits und Diesseits begegnen (und sei es auch nur für einen kurzen Moment), kommt ein zentraler Aspekt zur Geltung, in dem die Grenzen zwischen Leben und Tod, zwischen Realität und individueller Wahrnehmung verschwimmen.

Es ist zum einen der Gedanke, ob und wie das Diesseits auf Botschaften, Zeichen und Erscheinungen aus dem Jenseits reagiert und ob daraus Trost, Angst oder neue Erkenntnisse entstehen können. Die Begegnung eröffnet Raum für unsere Deutungen, die Fragen des Lebens und Sterbens betreffend.

Es ist aber andererseits auch der Aspekt, inwieweit wir das, was wir generell wahrnehmen, tatsächlich der Realität entspricht oder ob unsere Wahrnehmung die tatsächliche Realität verkennt.

Unsere Sinne und unser Verstand formen ein Bild der Welt, das von subjektiven Erfahrungen und Erwartungen beeinflusst wird. So kann es passieren, dass wir uns in einer Prägung wahrnehmen, die mit der Art und Weise wie uns unser Gegenüber sieht, überhaupt nicht übereinstimmt.
Die beiden Ebenen sind nicht deckungsgleich, sondern völlig verschieden und ganz anders. Und ich meine damit, sie können sogar „ganz anders“ sein.

Extrem gesagt, wäre es möglich, dass man sich selbst als Teil des Diesseits erlebt, unser Gegenüber, die Welt einen aber als Teil des Jenseits wahrnimmt und verortet?

Ein Mysterium, das in den unten aufgeführten Quellen aufgegriffen ist. Im Falle der Bibel wird das Phänomen disparat aber korrespondierend geschildert und als Wunder begriffen.

Die Frage nach der Objektivität unserer Wahrnehmung bliebe auf alle Fälle immer ein Stück weit offen, und sie fordert uns dazu auf, die Perspektiven zu hinterfragen, wie wir die Welt sehen und erleben.

Die Interpretation des Anfangs unseres Konzert-Requiems spielt mit diesem Gedanken und greift die beiden konträren „Realitäten“ auf. So wird das zweimalige Einleitungsthema einmal hörbar, aber nicht sichtbar sein und zum anderen sichtbar, aber nicht hörbar. Die sich gegenüberstehenden Ausführenden, die Realitäten (Chor, Orchester // Dirigent), werden dabei einmal dem Jenseits und einmal dem Diesseits zugeordnet. 

Erwin Schaffer


(M. Moritz, Ohne Titel, 1999, Privatbesitz)

Inspiriert durch:
Matthäus 28,9 ff./Markus 16,9 ff./Lukas 24,13ff./Johannes 20,11 ff.: (in: Die Bibel)
M. Night Shyamalan: The Sixth Sense, USA 1999
Salman Rushdie: Saumselig (in: Die elfte Stunde, Penguin Verlag, 2025)

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VIER - ein freundliches Potpourri mit Betrachtungen über die Zahl, und was sie für die musikalisch/kulturelle Arbeit bedeutet.

Vier?
Die vier Jahreszeiten, vier Himmelsrichtungen, vier Kardinaltugenden, die vier Elemente, vier Evangelisten, die Viererkette im Fußball😉, vier sogar mit vier Buchstaben 🙂, …

Aber kommen wir lieber auf die Musik zu sprechen:
Das Streichquartett mit 1. und 2. Violine, Viola und Kontrabass, die menschlichen Stimmgattungen Bass, Tenor, Alt, Sopran, die vier Sätze einer Sinfonie mit zum Beispiel Allegro, Adagio, Scherzo und Presto, die Quarte als 4. Intervall, vier grundlegende Elemente der Musik wie Rhythmus, Melodie, Harmonie und Dynamik, etc.

Worauf ich aber letztendlich hinauswill, dazu muss ich etwas weiter ausholen. Doch bedeutsam ist es allemal, geht es schließlich um den Weg von der musikalischen Idee bis zur Aufführung:
es handelt sich um ein dynamisches und waagerecht verlaufendes Modell, bei dem ebenfalls vier Bausteine eine Rolle spielen.

V
Der Verfasser ist der Komponist oder der Autor eines Werkes, auf das sich der Leiter oder die Leiterin eines Chores, eines Orchesters oder eines sonstigen Ensembles festlegen muss, mit dem Willen, es zur Aufführung zu bringen. Die Komposition im Kontext mit der Persönlichkeit des Komponisten bildet das Fundament. Sie ist Ursprung und Ausgangspunkt, von dem alles Weitere seinen Verlauf nimmt.

I
Die Komposition zu suchen, aufzuspüren und für eine Aufführung zu nominieren, ist Aufgabe des Interpreten, in Gestalt des Leiters oder der Leiterin eines Ensembles. Die Arbeit an und mit dem Werk ist nunmehr die zweite und jetzt höchstmusikalische Aufgabe. So sind die Analysen von zum Beispiel Melodik, Harmonik, Rhythmik, Klang und Formgebung grundsätzliche Aspekte und Voraussetzung für den Erfolg einer musikalisch qualitativ gelingenden Aufführung. Die Beachtung und Respektierung der originären Komposition muss dabei gewährleistet sein.

So ist es nun Aufgabe, an einer Interpretation zu arbeiten, die, je nachdem welche der genannten Aspekte herausgearbeitet werden und welche primäre Bedeutung ihnen zugemessen wird, so oder so ausfallen wird. So weit, so gut.

Aber auch sekundäre Faktoren wie gesellschaftliche und biografische Situationen oder Konstellationen der Entstehungszeit eines Werkes müssen oder sollten in die Überlegungen miteinfließen, um ein Gesamtverständnis für die Komposition zu entwickeln. Dann erst, so meine ich, wird sie tatsächlich lebendig.
Lebendig in dem Sinn, dass sie Zeugnis ablegt von der Zeit, in der sie entstanden ist: Kultur als Spiegel ihrer Entstehungszeit. Sie repräsentiert die Werte, Normen und Denkweisen der Menschen zu jener Epoche. So ist auch Musik eine kulturelle Ausdrucksform, an der sich gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen ablesen lassen.
Und hier wird es spannend, wenn man mit musikalischen/generell kulturellen Mitteln Beziehungen zu heutiger Zeit herstellt. Wandel der Gesellschaft und ihrer Normen oder auch Kontinuität werden sichtbar. Diese Gedanken und Bestrebungen kann eine Interpretation ebenfalls auf ihre Agenda schreiben und in einer Aufführung vermitteln. So entsteht eine neue Erzählung, die Reflexionen über die Jetztzeit fördert.

E
Das Ensemble ist alles! Die Menschen in den Orchestern oder Chören sind die Protagonisten, die all das, was im Vorfeld geleistet wurde, erst zur Realität werden lassen. Vorher war es Theorie, Absichtserklärung. Nun wird gesungen, gespielt, getanzt, erzählt: von Emotionen und Konflikten, von Tragödien und Glück, von damals und heute, und: von Zukunft.

Aufgabe des Ensembleleiters ist es, alle Ausführenden mit der von ihm herausgearbeiteten Idee der Interpretation zu überzeugen. Offen bleibt allerdings ein Spielraum, in dem Modifikationen und Korrekturen möglich sind.
Was noch? Natürlich proben, proben, proben. Es ist eine Leistung, die besonders bei sogenannten Laien oder „Liebhabern“ nicht hoch genug geschätzt werden kann.

R
Das Ensemble ist alles, aber ohne das Publikum und explicit seine Resonanz ist alles nichts. Klar, wenn es kein Publikum, besser: wenn es keine Menschen gibt, die zuhören und zusehen, dann ist die kulturelle Arbeit in diesem Metier ad acta gelegt. Das ist Gottseidank nicht der Fall 🙂.
Aber es geht um Resonanz. Sie entsteht, wenn sich ein „System“ von einem anderen in Schwingung versetzen lässt und diese Dynamik zurückgibt. Beide Systeme, Bühne und Publikum, interagieren so miteinander und entwickeln eine gemeinsame Bewegung oder Schwingung: Wenn das Geschehen auf der Bühne das Publikum erreicht, wenn die Emotionen, die Konflikte, die Tragödien, das Glück die Menschen im Raum berührt und ergreift, dann schlägt das Pendel zurück zu den Ausführenden auf der Bühne. Es entsteht eine Verbundenheit, eine Gemeinschaft. Die Betonung liegt dabei auf dem Entstehen.

Das ist etwas anderes als eine Gemeinschaft, die a priori als Allianz besteht. Wenn man so will, handelt es sich um einen kreativen Prozess, der zudem, und das ist der Clou, von beiden „Systemen“ gestaltet wird. Letztendlich ist das der Sinn der kulturellen Arbeit: ein sich Berühren lassen, ein sich gegenseitig fördern und befruchten, ein Entstehen und Zulassen von Resonanz, die zu einem Ergebnis führt, das gemeinschaftlich erreicht wurde.
So kann Kultur als Parabel gelesen werden. Als Gleichnis für die Resonanzen zwischen Individuen und demokratischen Institutionen, als ein Wechselspiel, das Demokratie und menschenwürdiges Miteinander stärkt.

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Ein Resümee
Vier Schritte, vier Bausteine. Diesen vierten haben die Menschen im Publikum geliefert und mitgestaltet. Dafür steht der Leiter des Sinsheimer Vokalensembles seit vierzig Jahren (hoppla, auch hier ist die Vier dabei😉) in tiefer Schuld. Ohne Sie würde unsere Arbeit keinen Sinn machen, ja ohne Sie gäbe es uns nicht.
In großer Dankbarkeit verabschiede ich mich als künstlerischer Leiter des Chores von Ihnen. Nach 253 Konzerten mit ca. 150 verschiedenen Programmen ist es an Zeit, die Geschicke in jüngere Hände zu legen.
Bleiben Sie dem Vokalensemble Sinsheim treu und unterstützen und wertschätzen Sie die Arbeit des Chores unter der neuen Leitung von Carmen Schrötel.

 

Erwin Schaffer

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Mit Singen

Das Vokalensemble Sinsheim probt in projektbezogenen Arbeitsphasen. Ein fester Stamm von Sängerinnen und Sängern heißt aber auch die herzlich willkommen, die nur bei bestimmten Programmen mitsingen möchten. Dabei stehen Stücke der "leichten" Muse wie auch Werke der "ernsten" Literatur bei uns gleichermaßen auf dem Programm.
Wir proben in der Regel donnerstags von 19,00 Uhr - 21,00 Uhr im Wilhelmi-Gymnasium Sinsheim, Schubertstraße 2.

Kontaktaufnahme und Infos: www.vokalensemble-sinsheim.de und über das Sekretariat
Claudia Löbel - Tel. 07261/65076 und 0160/91146906 – Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Für unsere kulturelle Arbeit, die wir auch im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhalts verstehen, sind wir auf Spenden angewiesen. Wenn auch Sie uns unterstützen möchten, können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen. Ihre Spenden sind steuerlich absetzbar.
Sparkasse Kraichgau                                               Volksbank Kraichgau
IBAN: DE81663500360021050373                     IBAN: 64672922000000345300
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Unser weiteres Programm:


15.05. Sinsheim: Musikalische Mitgestaltung des Festabends
50 Jahre Städtepartnerschaft Longué
20.06. Sinsheim: Musikalische Beiträge zum Landesmusikfestivals
10.-12.07. Probenwochenende Musikakademie Schloss Weikersheim
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Chormusik aus Skandinavien Werke von Ola Gjeilo und anderen

17.10. Sinsheim, Ev. Stadtkirche
18.10. Angelbachtal, Kath. Kirche Heilig Kreuz

Weitere Informationen auf:
www.vokalensemble-sinsheim.de


Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium Kantaten 1-3
Katholische Kirche St. Jakobus, Sinsheim - 21.12.2025